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Hexenjagd in Eichstatt: Rehabilitieren statt totschweigen!

Zuletzt aktualisiert von bfg-muenchen am 29. Mai 2013 - 2:00

M E D I E N  I N F O R M A T I O N   20.5.
Rehabilitieren statt totschweigen! Bei strömendem Regen wurden erstmals auf dem Domplatz in Eichstätt 160 Namen der vielen Frauen und einiger Männer gelesen, die in den Terrorprozessen der Hexenjäger unter Bischof Westerstetten brutal gefoltert, beraubt und grausam ermordet wurden. Einige Passanten hörten erstaunt zu. Einige waren dafür sogar aus umliegenden Orten angereist. Eine Besucherin aus Norddeutschland verschob extra ihre Heimreise. Es gab fast ausschließlich Interesse und Zustimmung zu dieser notwendigen Aktion.

Begleitet von dumpfen Trommelschlägen lasen Birke Grießhammer, Wolfram P. Kastner, Julia Killet, Claus-Peter Lieckfeld und Hiltraut Pusch-Zilker Namen der Opfer dieser Justizverbrechen und die Todesurteile, wie z.B. „ Khayerin Barbara wurde zweimal an den Armen mit glühenden Eisen gerissen, die rechte Hand abgehauen und lebendig verbrannt“.
Die Lesenden trugen jeweils eine Tafel mit dem Namen einer Ermordeten. 426 (weit überwiegend) Frauen und einige Männer fielen in die Hände der fürstbischöflich eichstättischen Folterer und Mordbrenner - rehabilitiert wurde bis heute niemand. Obwohl in Eichstätt die meisten Scheiterhaufen in Deutschland neben Bamberg und Würzburg brannten, gibt es bis heute in Bayern nirgendwo eine Rehabilitierung wie in anderen Städten. Anders als der Bürgermeister sehen die Initiatoren der Aktion viel Anlass zu handeln. Wir fordern:

  • die volle Rehabilitation der Verurteilten;
  • die Anerkenntnis, dass die Prozesse und Urteile Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen;
  • eine exakte wissenschaftliche Erforschung der besonderen Eichstättischen Geschichte der „Hexen“jagd, der Folter („Bugglsegen“, „Helmschneiden“ u.a.), der Vergewaltigungen und der widerrechtlichen Bereicherung des Bischofs und seiner Schergen;
  • ein Denk-, Ehren- und Mahnmal mit den Namen der von den Hexenbrennern Verfolgten an einem zentralen Platz in Eichstätt;
  • die Umbenennung einiger Straßen und Plätze nach den Hingemordeten.

Wir erhoffen uns dafür die volle Unterstützung aller Bürgerinnen und Bürger Eichstätts, insbesondere der Mitglieder der katholischen Kirche sowie des Bischofs, der Katholischen Universität und ihres Präsidenten, der Stadträte und des Bürgermeisters. „Totschweigen ist keine angemessene Form des Umgangs mit dem Grauen. Freispruch, Rehabilitierung und Ehrung der völlig schuldlos Ermordeten hätten längst erfolgen müssen. Nach nahezu 400 Jahren ist es höchste Zeit. Gibt es in Eichstätt irgend jemand der ernsthaft dagegen sein könnte? Wir werden nicht schweigen, sondern vernehmlich reden und handeln.“

Wolfram P. Kastner, Birke Grießhammer, Julia Killet, Claus-Peter Lieckfeld, Hiltraut Pusch-Zilker
Institut für Kunst und Forschung, Trivastr. 7, D-80637 München