Sie sind hier

Atheismus und Ethikunterricht

Zuletzt aktualisiert von bfg-muenchen am 2. Januar 2013 - 1:00

Die Süddeutsche Zeitung ist auf das Dilemma aufmerksam geworden, dazu der Artikel vom 7.12.: "Ethik - das bayerische Desasterfach". Immer mehr Schüler belegen das Fach Ethik. Aber weil in Bayern der Religionsunterrricht noch als die Regel gilt, erhalten Lehrer dafür nur eine völlig unzureichende Ausbildung. Alle Versuche, den Zustand zu verbessern, scheiterten bislang am Desinteresse des Kultusministeriums.

Ein G`FB-Link fordert (25.11.):  Religion raus aus den Schulen!

Die Kirchliche Sozialarbeit im Fernsehen, 8.11.: Arbeitgeber Kirche: Jobs nur für Christen (und nur für die mit dem richtigen Bekenntnis). Die Kirchen dürfen sich aussuchen, was für einen Glauben ihre Angestellten haben: Eine Protestantin, die einen katholischen Gemeinderaum putzt? Für die Kirchengemeinde Ennepetal ist das nicht zumutbar. Ein Konfessionsloser als Datenarchivar? Nein, das will eine diakonische Behindertenwerkstatt in Itzehoe lieber nicht. Oder eine Sikh als Putzfrau in einem evangelischen Kindergarten? Bei der Johannis-Gemeinde in Stade allenfalls als Ein-Euro-Jobberin. Wer bei den Kirchen arbeiten will, muss den rechten Glauben haben. Und wer sich dadurch diskriminiert fühlt, kann nichts dagegen tun. Die Kirchen haben Sonderrechte: Sie dürfen diskriminieren. Die Sonderrechte stammen aus der Weimarer Verfassung und wurden ins Grundgesetz übernommen.
Unter den interviewten Experten waren auch Carsten Frerk (Caritas und Diakonie in Deutschland) und die Politikwissenschaftlerin Corinna Gekeler, die die nun erschienene Studie "Loyal Dienen" erstellt hat (mit Hilfe des IBKA). Kurzfassung als pdf hier abrufbar, Langfassung als pdf hier.

Und nochmal in Panorama: Nur für Gottes Lohn - Gehaltsdumping in kirchlichen Einrichtungen - Arbeitgeber sind oft einfallsreich, wenn es um Lohndrückerei und Profit geht. Dass aber ausgerechnet die Kirche besonders drastisch an ihren Angestellten spart, dürfte viele überraschen. Doch mit ihrer weltweit einzigartigen arbeitsrechtlichen Sonderstellung kann die Kirche besonders leicht zulangen. So gibt es bei kirchlichen Arbeitgebern weder normale Tarifverträge noch Betriebsräte. Sie können diktieren, wieviel Verdienst bezahlt wird - und die Arbeitnehmer müssen das hinnehmen.

Was für ein Geist bei den Konfessionsschulen herrschen kann, zeigt das Beispiel der Münchener Lukas-Schule (11.11.). Nach offizieller Auskunft ist der “gemeinsame Nenner” der Lehrkräfte dort die Glaubensbasis der Evangelischen Allianz von 1846. Diese beinhaltet u.a. die “völlige Zuverlässigkeit und höchste Autorität” der Bibel, die “völlige Sündhaftigkeit und Schuld des gefallenen Menschen, die ihn Gottes Zorn und Verdammnis aussetzen”, das “Endgericht” und die “Erwartung der persönlichen, sichtbaren Wiederkunft des Herrn Jesus Christus in Macht und Herrlichkeit”. 1846 war wohl noch ziemlich dicht am Mittelalter dran ...

Eine fundamentalistische Attacke wird aus einer evangelkischen Privatschule in München gemeldet: Wenn der Lehrer mit dem Teufel droht, schreibt die SZ (19.10.): Als ihr elfjähriger Sohn Manuel aus der Schule kam und erzählte, seine Lehrerin halte Homosexualität für Sünde, war Marion Schneider empört (Namen aller Kinder und Eltern geändert). Als die Lehrerin mit dem Teufel drohte und Manuel nachsitzen ließ, weil er zu Hause keine Bibel hatte, war sie fassungslos.
Als Manuel schließlich erzählte, seine Lehrerin sei der Meinung, Gott habe den Menschen direkt auf die Welt gesetzt, Evolution habe nie stattgefunden
... Da kann man wirklich zuviel kriegen.

Aus gegebenem Anlass muss der bfg zum Schulgebet Stellung nehmen (18.10.). Wieder wurden uns Fälle vorgetragen, wo die Glaubensbeflissenheit der Lehrer sich gegen das geltende Recht durchgesetzt hat. Das äußerte sich darin, dass die Schüler jeden Tag zum gemeinsamen Gebet angehalten wurden. Auf Nachfrage war's dann "freiwillig", und es "stand im Lehrplan" - also einander widersprechende Ausflüchte. Bei solchen befremdlichen Übergriffen empfehlen wir, das Gespräch mit Lehrern und Schulleitern zu suchen. Zumeist lassen die Lehrer mit sich reden und zeigen Bereitschaft, sich über die Gesetzeslage zu informieren. Dazu unser Experte:

Rechtlich ist das Thema bereits geklärt. Mit dem Satz "Die Teilnahme am Schulgebet ist freiwillig" ist es nicht getan. Die Lehrkräfte, die ein (auch für Lehrer freiwilliges) Schulgebet durchführen, müssen die Schüler darüber informieren, dass diese entweder still im Klassenzimmer sitzenbleiben dürfen - sie müssen also noch nicht einmal aufstehen - oder dass sie während dieser Zeit aus dem Klassenzimmer gehen dürfen. (Die Regelung der Aufsicht ist dann Sache der Schule.)
Die Durchführung von Gebeten zu Beginn oder am Ende des Unterrichts wurde vom Bundesverfassungsgericht am 16.10.1979 als „noch“ mit dem Grundgesetz vereinbar erklärt, jedoch fügte es hinzu, dass Schulgebete im Einzelfall unzulässig sein können. (Nicht betroffen ist das Gebet im RU, der in kirchlicher Verantwortung durchgeführt wird.) Es handelt sich also schon bei der Frage der Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz um einen Grenzfall, den z.B. der hessische Verfassungsgerichtshof 1965 als verfassungswidrig beurteilt hatte.
Als Entgegenkommen kann man den Lehrern den Vorschlag machen, das Gebet in den drei Minuten VOR Unterrichtsbeginn zu halten. Diejenigen Schüler, die auf eine Teilnahme Wert legen, können dann teilnehmen, für alle finge dann der eigentliche Unterricht um 8 Uhr an.
Eindeutig unwahr ist der Bezug auf den Lehrplan. Allenfalls im Religionsunterricht steht etwas über Gebete, aber der ist ja freiwilliges Wahlpflichtfach. Kinder zum Beten zu erziehen ist ausschließich Sache des Religionsunterrichts. Ist einem Lehrer das Gebet ein eigenes Anliegen, kann er es vorher (leise oder laut) sprechen. Nicht getaufte oder nicht am Religionsunterricht teilnehmende Kinder zum Mitbeten anzuhalten ist in jedem Fall ein unzulassiger Missionierungsversuch. (Im zugrundeliegenden Fall hat sich die Lehrkraft ubrigens nach eingehender Beratung zum Verzicht auf das Schulgebet entschlossen.)".

Vernünftiger Standpunkt der österreichischen Grünen zum Ethikunterricht: (29.9.): "Wir wollen Dialog und nicht Abschottung. Alle Kinder sollen gemeinsam über gesellschaftliche Werte diskutieren - etwa die Stellung der Frau, Toleranz oder Schwangerschaftsverhütung. Niemand soll indoktriniert werden, sondern alle sollen und müssen in der Schule zu einem Gedankenaustausch über unterschiedliche, miteinander oft unvereinbare Werthaltungen animiert werden."

Ständig gibt es Übergriffe gegen Kinder, die religionsfrei erzogen werden (s.u.), aber es gibt auch gute Nachrichten (gleich 2 hintereinander):

Eine Stellungnahme vom österreichischen Freidenkerbund zum Ethikunterricht (31.8.) weist darauf hin, dass Religion für ihn eine sehr persönliche Sache ist, um die Traditionen der Familie zu pflegen, keineswegs etwas, was in den öffentlichen Raum gehört und schon gar nicht in die Schule, wo damit Feindbilder kreiert statt abgebaut werden. Dazu kommt, dass diese private Sache die Öffentlichkeit hunderte Millionen kostet, eine Subvention der Religionen, die ihre Berechtigung verloren hat.
Die Österreichische Initiative Religion ist Privatsache schreibt in einer Mitteilung bei atheisten-info.at (29.8.): Wer heute behauptet, dass Bibel- oder Koranstunden einen gleichwertigen Ersatz für einen fundierten und weltanschaulich neutralen Ethikunterricht liefern, wird als nächstes für den Kreationismus als Ersatz für das Pflichtfach 'Biologie' eintreten.

Zur Schüler-Befreiungsbewegung von religiöser Indoktrinierung gibt es ein neues Gegenbeispiel. Die Süddeutsche Zeitung berichtet am 21.8. "Ein Land will Schule machen." Esgeht um den neu eingeführten islamischen Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen (nicht online). In ihrer Religionsbeflissenheit feiert die SZ das als "Signal für die Integration der Muslime in Deutschland".
Kommentar bfg: Wenn die Schule bei jedweder religiösen Indoktrinierung hilft,  ist das keine Integration, sondern Desintegration. Wo die Schule als Indoktrinierungshilfe missbraucht wird, stellt sie sich eindeutig gegen den grundgesetzlichen Anspruch auf Trennung von Staat und Kirche. Man darf nun gespannt sein, was der neue Islamunterricht  wohl für Lehrpersonal heranzieht.

Ein aktuelles Gerichtsurteil in Monschau (Eifel) erregt Aufsehen: Zum Beten verdonnert (taz) und derselbe Fall in Spiegel Online: Kinder zu Religionsunterricht verpflichtet. Dazu Auszüge aus einer Pressemitteilung des HVD vom 1. August 2012: Das Gerichtsurteil weise auf gravierende Missstände hin. Der HVD-Bundesverband sieht Urteil über die Pflicht zur Teilnahme am Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen als deutliches Warnsignal.
Wo ein Gericht es als eine maßgebliche Gefährdung des Kindeswohls beurteilt, wenn Schülerinnen oder Schüler nicht am katholischen Religionsunterricht und Gottesdiensten teilnehmen, gibt es erhebliche Missstände, die gravierend genannt werden müssen.“
Anlass der Kritik ist ein Gerichtsurteil zum Streit konfessionsfreier Eltern, in dem entschieden wurde, dass die Nichtteilnahme am katholischen Religionsunterricht eine Gefährdung des Kindeswohls darstellen könne und somit dem Antrag eines männlichen Elternteils folgte, die beiden Kinder entgegen ihrem eigenen Willen und dem Willen der Mutter zur Teilnahme am Religionsunterricht und an Gottesdiensten zu verpflichten.
Weiter der HVD: „... sollte eine Bildungspolitik in aller Deutlichkeit hinterfragt werden, die derlei widersinnige Gerichtsurteile geradezu herausfordert. Es ist schon sehr erschreckend, dass es in der Bundesrepublik Deutschland bis heute noch Schulen gibt, in denen die Abwesenheit einiger Schülerinnen und Schüler vom katholischen Religionsunterricht tatsächlich dazu führen kann, dass die betreffenden Schülerinnen und Schüler einer Gefahr der Ausgrenzung und erheblichen sozialen Benachteiligung ausgesetzt sind.

Ein schwerer Fall von religiöser Bevormundung aus diesen unseren Landen (27.7.): Die Eltern gehören keiner Konfession an, die Kinder sind frei erzogen und nicht getauft. Gleich bei der Einschulung werden sie trotzdem in den Religionsunterricht gezwungen, mit dem Argument, es werde an dieser Schule kein Ethikunterricht angeboten, und ohne Teilnahme am Religionsunterricht könnten die Kinder nicht auf dieser Schule angemeldet werden. Die Bekenntnislosen werden also gezwungen, sich schriftlich für evangelischen oder katholischen Unterricht zu entscheiden; beides wird von Pfarrern durchgeführt und nicht von Lehrern. Viele Eltern haben gegen diese Zwänge gekämpft und sind unterlegen, weil sie den Kampf nicht zu Lasten ihrer Kindern austragen wollten. Es war sogar die Rede von konfessionslosen Eltern, die Ihre Kinder taufen ließen, damit sie keine Probleme in der Schule haben.
Nicht alle unterwarfen sich der Repression, obwohl immer mehr Druck auf die Kinder ausgeübt wurde. Die Probleme eskalierten, bis den Schülern noch der Notendurchschnitt von der schlechten Religionsnote verdorben wurde. Die abzusehende Folge war eine Demotivierung am Schulunterricht insgesamt. Die Schüler fühlten sich ungerecht behandelt, sie bekamen einen regelrechten Horror vor der Religion. Nach ein paar Jahren konnten die aufgeklärten Kinder den Religionsunterricht nicht länger durchstehen, obwohl die Eltern vieles in Bewegung gesetzt hatten, um Abhilfe zu schaffen.
Das Schulamt wurde befragt, Lehrer, Klassenlehrer und  Schuldirektor wurden immer wieder angesprochen. Das Schulamt verweigerte die Auskunft ganz, und der Direktor zeigte seinen Unwillen, indem er das Problem auf die Schüler abwälzte: Wenn sie nicht am Religionsunterricht teilnehmen wollten, müssten sie für mehrere Ethik-Unterrichtsstunden in eine mehr als 10 km entfernte Stadt fahren. Das wurde zurecht als Zumutung und als Bestrafung für die Glaubensfreiheit empfunden. Im Verlauf der Bemühungen um Dispens vom Religionsunterricht griff der Direktor zu Lügen und Scheinauskünften, z.B. behauptete er, eine Abmeldung wäre nicht möglich.
Als hilfreich erwies sich die Beharrlichkeit der Eltern, die so lange insistierten, bis der Direktor seine Unkenntnis der Lage eingestehen musste und versprach, sich um Auskunft ans Schulamt zu wenden. Diese Auskunft entsprach endlich der Rechtslage, die der Direktor jahrelang missachtet hatte: Es reicht die schriftliche Befreiung der Eltern, die jederzeit zu haben war. Damit sind die Schüler vom Religionsunterricht befreit, aber dafür sollen sie nun während der Zeit in einer anderen Klasse am Unterricht teilnehmen.
Auch hier wieder Repression: eine Erstklässlerin soll in der dritten Klasse geparkt werden, mit - so der Direktor - der Option auf Probleme, da sie ja aus dem Klassenverband herausgerissen würde. Und der Gipfel der Unterdrückung: Die Kinder sollen zusätzlich nachmittags zum Ethikunterricht an der 10 km entfernten Schule fahren, dort gebe es genug Schüler, um eine Klasse dafür einzurichten. Also der Ethikunterricht nicht als Alternative, wie gesetzlich vorgeschrieben, sondern als 2. Muss, wie es die Willkür des Direktors verfügt.
Die Fahrerei artet ohnehin in Repression aus, denn Kinder, die allein aus ihrer Schule in eine fremde Schule müssen, fühlen sich wie Aussätzige. Auf dem Weg dorthin verlieren sie viel Zeit. Die Eltern erst recht, wenn sie fünf Mal in der Woche (bei zwei Kindern) den Fahrdienst übernehmen sollen und die (Unterrichts-)Zeit dort totschlagen müssen.
Die Frage ist nun, wieviel Repression muss man sich bieten lassen? Dazu der bfg-Sachverständige Gerhard Rampp: "Ich bin selbst Gymnasiallehrer in Augsburg, meine Frau war dort Grundschullehrerin, und wir können uns kaum vorstellen, dass sich das, was uns da geschildert wurde, tatsächlich in Bayern zuträgt. Immerhin sind auch in Bayern inzwischen nur noch 53 % der Bevölkerung katholisch und 20 % evangelisch, aber 24 % konfessionslos."

  • Wie ist die gesetzliche Lage?  Das Bundesland spielt eine Rolle, weil der Föderalismus überall andere Regelungen hervorgebracht hat. Fest steht jedenfalls bundesweit: Niemand darf gezwungen oder auch nur genötigt werden, am Religionsunterricht teilzunehmen.
  • Welche Handhabe gibt es für die Eltern? Es ist immer sinnvoll, den sachlichen Dialog zu suchen. Wenn sich die Schulobrigkeit auf glaubensbeflissene Positionen versteift, hilft Beharrlichkeit und die Argumentation mit dem Gesetz. Es ist anzuraten, Informationen einzuholen und aufzubewahren: sich ans Schulamt wenden, wer konkret zuständig ist und womöglich Auskünfte verweigert, den Namen des Schuldirektors aufschreiben, wenn er zur Nötigung greift.
  • Ist für den Transport die Schule zuständig? Nein, man muss anscheinend seine Kinder selbst dorthin bringen und bekommt dafür eine Aufwandsentschädigung. Für die Wartezeit gibt's aber wohl nichts, und über die zumutbaren Aufand an Kilometern und Zeit ist uns bisher auch keine Aussage bekannt.

Dieser - aus einzusehenden Gründen anonymisierte - Fall spiegelt nicht den allgemeinen Fall wider, aber er zeigt, was Initiative und Beharrlichkeit ausrichten können. Es ist nicht nötig, die Kinder jahrelang leiden zu lassen, und es ist schon gar nicht nötig, den Kotau vor der Religion zu machen. Das Gesetz ist auf der Seiten der Unabhängigen. Das sollte allen Betroffenen Mut machen, die in der gleichen Situation stecken.

Zur Religion verurteilt hat in erster Instanz ein deutscher Familienrichter zwei ungetaufte Schulkinder in der Ortschaft Kesternich in der Nordeifel (atheisten-info.at 24.7.).

Die Gesetzeslage bietet einige Möglichkeiten. Verfassungsklagen (23.4.)
Ein realistischer Fall: Eltern melden ihr Schulkind vom konfessionellen Religionsunterricht ab, weil sie den für zu einseitig halten. Sie hätten aber gern, dass ihr Kind allgemein und neutral über Religionen, ihre Vor- und Nachteile und ihre weltanschaulichen Alternativen unterrichtet wird. Das ist ein Wunsch, der völlig konform mit den geltenden Gesetzen ist.

Ein Text von Hermann Geyer, der die bayrische Situation in den Schulen behandelt und außerdem den bfg erwähnt (pdf 10.4.): Normenklarheit als verfassungsrechtliches Kriterium gegen staatlich verordnete religiöse Erziehung in Bayern.
Die Bekämpfung von Privilegien, die den Kirchen und Religionen durch unsere mitteleuropäischen Staaten eingeräumt werden ist mühsam, weil demokratische Mehrheiten dafür kaum zustande kommen. Als umso wichtiger haben sich immer wieder juristische Ansätze erwiesen.

Religiöse Ethik gegen Religionsfreie! (atheisten-info.at 15.3.): Das ist momentan der Plan der christlichen Kirchen in Zusammenarbeit mit der Islamischen Glaubensgemeinschaft. Man schickte dazu am 14. März 2012 die jeweiligen Jugendorganisationen vor an die Front zur Bekämpfung der Religionslosigkeit. In einer abgestimmten Aktion drängen sowohl christliche und als auch muslimische Jugendorganisationen auf Zwangsethikunterricht für Religionslose. Das wird im Schulversuch ja schon jahrelang geprobt.

Papst rügt Mangel an Glaubenswissen - ein pdf von Georg Korfmacher (9.3.).
Trotz der Fülle der vom ihm angeschobenen Aktivitäten, wie Neuevangelisierung, Vorhof der Heiden, verschiedene Missionsreisen (Staatsbesuche) und Welt-Jugend-Tage, rügt der Papst der Catholica vor allem seine eigenen Schwestern und Brüder im Glauben ob deren mangelhaften Wissens in Glaubenssachen. Das ehrt den alten Mann auf dem höchsten Thron der größten Religionsgemeinschaft der Welt. Alles Ignoranten, oder was?
Das Thema ist nur scheinbar banal. Dahinter versteckt sich die geballte Wissenschaftsfeindlichkeit der Catholica. Glaubenswissen und Religionsunterrichjt in unseren Schulen sind nur die Extreme des gesamten Fächers.

In München sagt man "Ciao!" lautet das Echo vom SPIEGEL (12.2.) auf den Kulturschock aus Passau. Witzigerweise hat man Probleme mit der Schreibweise des Tschüss, mal mit ss wie hier, mal mit s beim SPIEGEL.

Initiative an Passauer Schule: Der Kampf gegen "Hallo" und "Tschüss" - man soll Grüß Gott sagen (5.2.):
Das norddeutsche "Tschüss" kommt in Bayern eher schlecht an. Eine Passauer Rektorin greift hart durch - ihre Schule wurde eine "Hallo- und tschüss-freie Zone". Sie bekommt viel Zuspruch.
Atheistischer Kommentar: Wenn die besagte Dame wenigstens so gradlinig wäre gleichzeitig noch das Salve, Servus, Salut, Ciao, Pfiat' Di, Tschö und güle güle mit zu verbieten - dann wär's wenigstens konsequent. Und: Mit Frömmigkeit hat das aber gar nichts zu tun. Religion wird hier wieder nur als Etikett verwendet. Hier geht es um Abgrenzung und Ausgrenzung. Hier sollen die sprachlichen Demarkationslinien gezeichnet werden, die den Insider vom Outsider unterscheiden helfen

Wieder Religion in russischen Schulen (5.2., atheisten-info.at): Nach der russischen Oktoberrevolution waren die Popen aus den Schulen vertrieben worden, eine der positiven Errungenschaften des "realen Sozialismus". Letzterer war nach seinem Konkurs sehr rasch durch einen hemmungslosen Neoliberalismus ersetzt worden, in den Schulen wurde nimmer Marxismus-Leninismus unterrichtet, aber bisher blieb das Schulwesen von der Wiedereinführung staatlicher religiöser Indoktrination verschont. Damit ist es nun vorbei, wie Pressemeldungen zu entnehmen war, ist jetzt fix: ab dem Schuljahr 2012/13 ein mehrfach gegliederter diesbezüglicher Unterricht eingeführt wird. Seit 2010 liefen in einem Viertel der russischen Regionen Schulversuche. Nun müssen sich Schüler und Eltern bis März entscheiden, welchen Unterricht sie für das nächste Schuljahr auswählen: christlich-orthodoxen, islamischen, buddhistischen, jüdischen Religionsunterricht oder Ethik oder ein Fach über die Grundlagen der Weltreligionen. Also nicht nur um die Menschenrechte ist es in Russland schlecht bestellt, sondern auch um die Laizität. Was kommt als nächstes?

Endlich mal eine gute Nachricht in dem Sumpf der religiösen Bevormundung, England (15.1.): Aus für Kreationismus in freien Schulen Richard Dawkins und die British Humanist Association feiern derzeit den Sieg einer Kampagne gegen Kreationismus. Wie die britischen Humanisten am vergangenen Dienstag meldeten, will die Regierung die Lehre kreationistischer Ideen an Schulen in freier Trägerschaft zukünftig mit Entzug der Finanzierung ahnden.

Die Rechtsauskunft des bfg-Experten stellt sich eindeutig gegen die unten beschriebenen Übergriffe (16.12.): Selbstverständlich brauchen die betroffenen Schüler keinerlei Art von Religionsunterricht zu besuchen. Sie sollen angewiesen werden, das nicht mehr zu tun.
Es dürfte gesetzeswidrig sein, dass kein Ethikunterricht angeboten wird, aus welchem Grund auch immer. Das gibt der Schule kein Recht, die Religions- und Weltanschauungsfreiheit klar zu verletzen. Das (vorgeschobene?) Problem der Aufsicht ist ausschließlich ein Problem der Schule. Irgendeinen Raum werden sie schon zur Verfügung stellen können. Da könnte man auch einen Kompromiss eingehen.
So gehen die betroffenen Eltern am besten vor: Ersuchen Sie die Schulleitung, Ihnen zu zeigen, wo das schriftlich steht, was von ihnen verlangt wird. Das wird nicht möglich sein. Sie sollten daran denken, sich massiv (schriftlich!) beim Kultusministerium wegen der Verletzung des Art. 4 GG zu beschweren, teilen Sie das der Schulleitung ggf. vorher mit. Notfalls Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Schulleiter. Vielleicht wenden Sie sich auch an ag-schule@ibka.org
Dazu gibt es auch ein umfangreiches Lexikon von Dr. Gerhard Czermak (auf unserer Bücherseite) ,das auch eine größere Anzahl von sehr detaillierten Artikeln zum Thema "Schule und Religion" enthält. Es ist nicht ganz billig, aber geschenkt im Vergleich dazu, dass man einen Fachanwalt für Verwaltungsrecht konsultiert (weiterer Link hier).

Aus einem Urteil des Freiburger Verwaltungsgerichts (24.10., der Link geht zum hpd): Gegenstand des Religionsunterrichts ist der Bekenntnisinhalt. Wörtlich führt das VG FR aus, dass die die Religionsgemeinschaften "gegen den Staat einen Anspruch auf Einrichtung eines ihren Glaubensinhalten entsprechenden Religionsunterricht (haben). Gegenstand des Religionsunterrichts ist der Bekenntnisinhalt, nämlich die Glaubenssätze der jeweiligen Religionsgemeinschaft. Diese als bestehende Wahrheiten zu vermitteln, ist seine Aufgabe."
Das VG FR bezieht sich dabei auf eine Entscheidung des BVerwG (Urteil vom 23.02.2005 - 6 C 2/04 -). Darin wird ausgeführt: "Die Religionsgemeinschaften haben unter den Voraussetzungen und nach Maßgabe der Regelungen in Art. 7 Abs. 3 Sätze 1 und 2 GG gegen den Staat einen Anspruch auf Einrichtung eines ihren Glaubensinhalten entsprechenden Religionsunterricht. ... Das Anliegen der Religionsgemeinschaften geht dahin, ihre Glaubensgrundsätze jungen Menschen im Schulunterricht zu vermitteln und die bereits bestehende konfessionelle Bindung zu vertiefen. ... " 
Das sollte man den Propagandisten der Kirchen entgegenhalten, die in der Öffentlichkeit den Eindruck zu vermitteln suchen, dass der konfessionelle Religionsunterricht irgendetwas mit "Werterziehung" oder Ethik zu tun habe und dass er deshalb unverzichtbar sei. Er dient ausschließlich der Vermittlung von konfessionellen Moralvorstellungen und von Glaubenslehren. Alles andere ist Tarnung.

Wie die Praxis aussieht, belegt das folgende Beispiel (8.12., es sprechen die Eltern): "Am Anfang des Schuljahres wurde uns per Rundschreiben mitgeteilt, dass die konfessionslosen Schülerinnen und Schüler nun am evangelischen Religionsunterricht teilnehmen würden, da das Fach Ethik aufgrund von Lehrermangel nicht mehr angeboten werden könne."
Beim Versuch, die Schüler vom evangelischen Religionsunterricht abzumelden, erhielten sie einen Anruf vom Schuldirektor, der ihnen mitteilte, dass das leider nicht möglich sei. Zwar wäre er sich durchaus der Tatsache bewusst, dass die Schüler am Religionsunterricht nicht teilnehmen müssen, allerdings seien sie auch gar keine wirklichen Teilnehmer, denn sie würden ja keine Zensur auf dem Zeugnis im Fach Religion erhalten. Die konfessionslosen Schülerinnen und Schüler würden lediglich am evangelischen Religionsunterricht teilnehmen, da die Schule wegen Lehrermangels keinen Ethikunterricht mehr anbieten könne und die Aufsichtspflicht gewährleistet sein müsse. Diese Vorgehensweise, sagte er, sei üblich und absolut rechtmäßig. Den Vorwurf des "Religionsunterrichts durch die Hintertür" wies er weit von sich. Als Vorschlag zur Güte könne er lediglich anbieten, dass die Schüler anstatt am evangelischen Religionsunterricht am katholischen Religionsunterricht teilnehmen können.

Kommentar bfg: Es passt ja mit dem Zwang zum Religionsunterricht zusammen, den die Gerichtsurteile oben behaupten. Wie das mit dem Grundgesetz zu vereinbaren ist, erschließt sich aber nicht. Das ist doch Sophistik und Bevormundung, und man kann nur hoffen, dass sie damit nicht durchkommen.

Ethik als Schulfach? Das ist noch nichts für Grundschüler, fand ein Gericht in Freiburg (25.10. von SPIEGEL online)
Ethische Fragen zu erörtern, sei für Grundschüler zu kompliziert, entschied ein Gericht in Freiburg. Die Kinder lernten genug über Werte und Moral, indem sie sich in ihrer Klasse zurechtfinden müssten. Eine Mutter war anderer Meinung: Sie wollte reguläre Ethik-Stunden für ihre Söhne erzwingen - und scheiterte.
Wow, da hat sich ein Richter ein warmes Plätzchen im Himmel verdient, wird er glauben, der Tropf ...

Der Arbeitskreis Ethik-Unterricht in Bayern vom bfg Bayern (Vorsitzender Gerhard Rampp) und vom Humanistischen Bildungswerk Bayern hat eine beachtenswerte Seite zur Verfügung gestellt (Stand 15.10.).

Ein paar Takte zum Thema vom Sachverständigen Siegfried Vollmann: Vielleicht interessiert es ja manche Eltern, wie sie ihrem Kind den Religionsunterricht ersparen können. Aber sowohl auf Eltern wie auf Kinder wird Druck ausgeübt daran teilzunehmen, nicht nur aus religiösen, sondern auch aus praktischen Gründen:
Für Kinder, die nicht daran teilnehmen, muss ein anderer Raum und eine Aufsichtsperson vorgesehen werden. Es kostet also Geld. Man kann auch nicht alle Religionsstunden auf die letzten Stunden legen, da ja auch die Religionslehrer ausgelastet werden müssen. Zudem wollen die Religiösen natürlich nicht, dass nichtreligiöse eine Stunde weniger Schule haben. In höheren Klassen (etwa ab 16) wo die Kinder nicht mehr beaufsichtigt werden müssen, ist es natürlich ein starkes Motiv, sich vom Religionsunterricht abzumelden.
Die Eltern wollen in der Regel nicht, dass ideologische Kämpfe auf dem Rücken ihrer Kinder ausgetragen werden, ihre Kinder deswegen unter Druck gesetzt oder schikaniert werden oder sonstige Nachteile haben. Deshalb schicken auch atheistische Eltern ihre Kinder in den katholischen oder evangelischen Kindergarten, weil er der Nächste oder der Beste ist, oder der einzige, wo sie einen Kindergartenplatz bekommen. Säkulare Kindergärten gibt es kaum. Der Ansatzpunkt, Eltern dazu zu bringen, ihr Kind in eine Außenseiterposition zu schicken, wird nicht funktionieren.
Besser ist es m.E. darzustellen, dass Religionsunterricht für die Kinder (je nach Alter) schädlich ist, weil er

  • Märchen als allgemein akzeptierte Wahrheit darstellt, damit das Urteilsvermögen schädigt,
  • ein negatives Menschenbild (Erb-Sünde, Erlösung etc.) vermittelt
  • den Kindern durch in der Kindheit festgefügte falsche Vorstellungen lebenslang schadet

Ziel muss es sein, dass die Eltern einseitige Darstellungen in Schule und Kindergarten korrigieren. Auch wenn ab einem gewissen Alter vielleicht eine Meinung von Lehrern oder Klassenkameraden mehr zählt, als die der Eltern, so sollte doch das Bewusstsein unterschiedlicher möglicher Ansichten geweckt werden. Irgendwann wird sich dann bei Vielen der Realitätssinn durchsetzen gegen Loyalitäten zu gläubigen Vorbildern.
Die GBS könnte die Eltern dabei durch eine kindes-altersgemäße Argumentation unterstützen, die auch für die Eltern verständlich und akzeptabel ist. Diese muss sich auf verschiedene Themen beziehen,

  • z.B. das Märchen von Jesus und wie es wirklich war (weiß man nicht so genau),
  • z.B. wie verschieden Völker verschiedene Vorstellungen von Gott haben (der Mensch erfindet Gott),
  • z.B. wie Religion den Menschen schadet (Kirchengeschichte, Islam, Evangelikale).

Susi erklärt die Evolution ist schon mal was, auch wenn die Evolution in Europa auch von den Religionen nicht bestritten wird. Mehr Information zu Siegfried Vollmann auf seiner webseite.

Wieder erreicht uns ein Fall von schulischen Übergriffen (28.9.), wo die Schüler dazu gedrängt werden, statt des ausfallenden Ethikunterrichts Religionsunterricht zu nehmen. Peinlicherweise werden die Eltern dann noch gezwungen, Anträge auf Teilnahme am Religionsunterricht stellen, also für etwas, das sie den Kindern gar nicht bescheren wollen. Das artet bis dahin aus, dass die Schule den Schüler zum Schulwechseln zwingen will, wenn die Eltern dem Druck zum Religionsunterricht nicht nachgeben. Kommentar bfg:
Es ist ein massiver Verstoß gegen die Amtspflicht zur Wahrung der religiös-weltanschaulichen Neutralität, wenn den Eltern auf diese Weise angesonnen wird, ihr Kind zum RU anzumelden. Ob und unter welchen Voraussetzungen der Besuch des EU einer anderen Schule oder gar ein Schulwechsel verlangt werden kann, überstieg den Wissensfundus von unserem Kommentator. Das BayEUG enthält zur Problematik in Art. 47 keine Detailregelung zum EU. Auch seine weiteren Nachforschungen im Internet (Webseiten KM, Bayern-Recht) mit zahllosen Rechtsverordnungen und auch Vollzugsvorschriften haben keinen näheren Aufschluss zu Organisationsfragen des EU erbracht. gefunden hat er allerdings ein pdf von Robert Ebner, 2000, zum Ethikunterricht an Grundschulen: Notwendigkeit, gesetzliche Maßnahmen, Konzeption
Dieser Text der Uni Bayreuth ist hilfreich und durchaus kritisch, enthält aber speziell nur die Aussage (ohne Beleg), dass auseinanderliegende Jahrgänge an ein- und derselben Schule nicht zusammengelegt werden sollen (als pädagogische Kritik). Eine Zusammenlegung der EU-Schüler aus zwei Jahrgängen an derselben Schule dürfte nicht zu verhindern sein. Anscheinend hat man die hier auftretende Problematik bewusst nicht in einer allgemein nachprüfbaren Weise geregelt. Wahrscheinlich will man die Eltern vereinzeln und so zum Nachgeben bringen.
Im übrigen ist die Schule gesetzlich verpflichtet, EU einzurichten, wenn die erforderliche (geringe) Mindestschülerzahl (welche?) vorliegt. Wenn sie diese Verpflichtung missachtet, kann gemäß Kommentator auf gar keinen Fall Zwang zum Besuch einer anderen Schule ausgeübt werden.

Atheismus ist irrelevant (19.9.) Ein bissel übereifrig, der Artikel, und es hapert auch hier und da an Wissen und Präzision. Schon der Titel ist zweideutig. Wenn man dem Artikel folgt, könnte man viel Übles nicht mehr der Religion zuschreiben, weil hier vieles vom Atheismus wegdefiniert wird.

Ums Große Ganze geht es bei Erwin Peterseils Artikel Modernismus einst und Globalisierung jetzt (28.8., atheisten-info.at). Die politische Seite spielt dabei eine große Rolle. Es geht um die Definition von Solidarität und um das Versagen der Gewerkschaften und der Linken, wobei die Linke in Österreich anscheinend noch schlechter aufgestellt ist als in Deutschland. Es fehlt nur die Kritik am Slogan "Deutschland profitiert von der EU" (oder Österreich). Das zählt zu denselben Fabeln wie andere, die der Artikel decouvriert. Nicht Deutschland profitiert, sondern deutsche Firmen, und das ist ganz was anderes. Erwin Peterseil träumt von linker Politik, die eine gerechtere Verteilung des gesamtgesellschaftlichen Nutzens bringen könnte: "Das vereinte Volk wird niemals besiegt werden!" (Bloß wo ist dies vereinte Volk?)

"Kein selbst gebastelter Glaube!" Bei seiner Abschiedsvorstellung auf der Sonntagsmesse am 21.9.2011 beim heurigen katholischen Weltjugendtag gab der katholische Kirchenchef Ratzinger den Jungchristen noch Tipps für den Lebensweg mit. Er rief die Jugendlichen auf, ihren Glauben im Rahmen der Kirche zu leben. ... Er warnte, der Versuchung nachzugeben, "seinen Glauben gemäß der in der Gesellschaft vorherrschenden Mentalität des Individualismus zu leben". Er warnte vor der Tendenz, seinen Glauben nach den eigenen Vorstellungen zusammenzustellen (der vollständge Text bei atheisten-info.at) Fazit: Es geht um Verteidigung der Machtpositionen. Der Papst hat die Deutungshoheit, und keiner soll seine eigenen Phantasien dagegen anschieben.

Ein Bischof und sein Glaube Der Bischof van Elst greift zu längst überwunden geglaubten Thesen, um gegen den Atheismus anzugehen (18.8.). Interessante Argumente, warum die Eltern die Kinder katholisch indoktrinieren lassensollten - eins hahnebüchener als das andere, aber immer noch im Schwange. Wer sich das bei atheisten-info.at zu Gemüte führt, weiß endlich, was einem religiös ungebildeten Heiden im wahren Leben alles entgeht!

Für die weniger Infantilen gibt es christliche Aufbauhilfe gegen die päpstlich verorteten "aggressiven Atheisten" (16.8.): So sollen Christen ihren Glauben verteidigen - der blasphemieblog bei wordpress.com hat ein paar Texte hervorgehoben. Unter anderem: Die Argumente aus Atheistenkreisen sind zahlreicher und heftiger geworden. Mitarbeitende von Kirchen und christlichen Organisationen sollten die Argumente kennen und darauf antworten können.  (...) Die Dimension der Verbrechen im Namen des Christentums sei im Vergleich zu modernen Verbrechen gegen die Menschheit im Namen atheistischer Ideologien vergleichsweise klein. So seien in den 249 Jahren, in denen die Inquisition gewütet habe, nicht mehr Menschen hingerichtet worden als während 40 Minuten der Herrschaft von Mao! (...) «Wir müssen hier clever sein und uns gut auf die Auseinandersetzung vorbereiten»
Die Vorbereitung besteht aber nicht darin, inhaltlich auf die atheistischen Argumente einzugehen. Es sollen lieber Vergleiche gezogen werden, mit denen sich die religiösen Missetaten relativieren lassen. Opportunitätserwägungen sind alles, was den Glaubensstreitern einfällt. So etwas wie Reformen und Anpassungen an den Erkenntnisfortschritt steht nicht zur Debatte. Das offizielle Religionsangebot gibt's nur als Komplettpaket mit all den Imponderabilien inklusive. Diese Weltferne dürfte auch ein Grund für die vielen Kirchenaustritte sein.

Säkularismus und Relativismus - Religionen müssen absolut wahr sein. Religionen können kein Relativismus vertragen.
Kritische Anmerkungen zum Diskurs und zur christlichen Sophistik um die Aufklärung, mit IQ-Betrachtungen (12.8. pdf von atheisten-info.at)

Am 16.07.2011 berichtet der SPIEGEL über Schwule in US-Schulbüchern: Eltern beklagen "sexuelle Gehirnwäsche." Konservative Eltern halten es für "unmoralische Indoktrination", wenn in Schulbüchern etwas über schwule und lesbische Amerikaner steht. Deshalb wettern sie gegen ein neues Gesetz, das vorschreibt: Auch die Errungenschaften sexueller Minderheiten gehören zur Geschichte ... Gegen das neue Gesetz gibt es allerdings Widerstand. Die Republikaner im Parlament stimmten dagegen. Und Konservative wettern, der Gouverneur würde die Rechte besorgter Eltern mit Füßen treten. Der Aktivist Randy Thomasson sagte, die Mehrheit der Mütter und Väter wolle keine "sexuelle Gehirnwäsche" für ihre Kinder. Die einzige Möglichkeit, wie Kinder der "unmoralischen Indoktrination" entgehen könnten, sei es, sie aus dem öffentlichen Schulsystem zu nehmen."

Ich, gottlos, aber gläubig - ein Brief an eine Freundin (6.7.): Der Musiker Wolf Biermann erklärt, warum er glaubt, dass junge Menschen in der Schule viel über die großen Religionen der Welt erfahren sollen.

"Erziehung" bei muslimischen Türken - wie werden muslimische Türken erzogen? Da kriegen wir in diesem Artikel mal einen Einblick (pdf von atheisten-info.at, 14.6.).

Mangels weiterer Information wurde die Anfrage zum Ethikunterricht an dieser Stelle gelöscht, Stand 6.6. Wir verweisen dafür auf unserere Special-Schule-Seite. Dazu ein paar aktuelle Ergänzungen (10.8.):

 

  1. Es gibt tatsächlich Sonderregelungen für Angehörige religiöser Minderheiten, wonach einzelne Schüler(innen) nicht am schulischen RU oder EU teilnehmen müssen, wenn die Glaubensgemeinschaft einen vergleichbaren Religionsunterricht durchführt. Das gilt definitiv für Gymnasien, dürfte aber bei Grundschülern kaum anders gehandhabt werden. Nach den mir bekannten Fällen wird dieser außerschulische RU nicht überprüft, sondern es muss nur eine Halbjahresnote bzw. Jahresnote rechtzeitig der Schule übermittelt werden. (Nicht einmal die Einzelnoten wurden seinerzeit mitgeteilt.)
  2. Es ist definitiv unzulässig, mehr als zwei Jahrgangsstufen im EU zusammenzulegen, und selbst dies ist rechtlich zweifelhaft, denn dann müsste ein Schüler ja teilweise einen Stoff lernen, der gar nicht der Jahrgangsstufe entspricht.
  3. Von einer pauschalen Zulässigkeit einer Abordnung an eine andere Schule zwecks Durchführung des EU kann nicht die Rede sein. Das hängt vom Alter des Kindes ab. Eine allzu lange Abwesenheit vom Elternhaus (z.B. Rückkehr eines Erstklässlers erst um 17 Uhr) kann durchaus zur Rechtswidriglkeit führen.

Eines der gelungen Projekte in der ehemaligen DDR war die Säkularisierung. Jetzt wird die DDR bekehrt! schreibt das notorische ateisten-info.at am 25.5., ein lesenswerter Artikel zum Thema.

Rührig wie immer spendiert uns atheisten-info.at einen pdf. "Damit ihn mehr Leute lesen, hab ich den heutigen (11.4.) Standard-Artikel über die Ungläubigen in Österreich auf meiner Site nicht verlinkt, sondern zum donwloaden (als pdf reingestellt)" - in Deutschland verhält es sich auch nicht anders als dort vorgetragen.

Der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. liefert uns dazu die Erklärung der Welt-Atheismus-Konferenz in Indien 2011 (28.3.)

Seit neuestem kochen die Weltverschwörungsgeschichten (atheisten-info.at 28.3.) mal wieder hoch. Dazu zählt natürlich auch die Weltuntergangs-Story rund ums Armageddon. Das ist auch ein Thema für den Unterricht, weil allzuviele Leute die grundlegende Psychologie nicht verstehen. Das folgt dem Prinzip "bevor es besser wird, muss es erstmal schlechter werden." Umgesetzt auf die Religion heißt das, bevor das Paradies kommt, muss erst die Welt untergehen. Diese Methode der Bauernfängerei erhält ihre Bestätigung wie von allein. Wenn es schlechter wird, wurde das ja vorausgesagt. Das führt die Leichtgläubigen zu der Annahme, danach würde sich die Verheißung schon irgendwann erfüllen. Es klappt aber weder im Management, wo solche Augenwischerei gang und gäbe ist, noch in der Religion, wo es auch zur Grundausstattung der Himmelsversprechungen gehört.

In Österreich ist man aktiv, was die Verteidigung der freigeistigen Positionen anbelangt. Ein Artikel in atheisten-info.at informiert über die Weise, wie die religiösen Agendasetter vorgehen. "Mit dem Appell zu einem verpflichtenden Ethikunterricht für jene Schüler, die keinen Religionsunterricht besuchen, hat sich die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) an die Nationalratsabgeordneten gewendet: Auch diesen Schülern soll die 'Auseinandersetzung mit Religionen und eine fundierte Reflexion der eigenen kulturellen Prägung und ethischer Grundsätze im Rahmen eines alternativ verpflichtenden Ethikunterrichts geboten' werden, heißt es in einem am 3.3. veröffentlichten Offenen Brief der KAÖ." Da wird mal wieder die ethische Führerschaft beansprucht, aber der Artikel findet die rechten Worte dagegen.

Erstaunliche Erkenntnisse an der Atheistenfront "Atheisten sind auch Menschen," eine Glosse dazu bei atheisten-info.at (24.2.).

Bei der Gelegenheit wird auch wieder das Kreuz an der Wand zum Zankapfel - "Glaubenskrieg im Landtag" schreiben die Potsdamer Neuesten Nachrichten. Der "Linke-Abgeordneter Peer Jürgens drängt darauf, dass im CDU-Fraktionsraum das Christus-Kreuz abgenommen wird, wenn dort Ausschüsse tagen (21.02.11)."

Ganz frisch die atheisten-info.at-Glosse zum Thema Vatikan: Ernsthafter und respektvoller Dialog mit Atheisten. Das bezieht sich auf eine Meldung vom 12. Februar 2011 von Radio Vatikan. Der Artikel zeigt auch den historischen Kontext.

Nachtrag 11.2.: Religion und Kultur! So heisst das neue Schulfach und es löst den bisherigen Religionsunterricht ab. Ein launiger Text bei students.ch

Die Atheismusdebatte bringt vor allem in Österreich interessante Artikel hervor: Ist der neue Atheismus niveaulos? Von der Seite atheisten-info.at. "Eben das ist gerade die große Kunst der Theologie: Imaginärstoffe zu bewerten. Daneben kennt sich der gute Theologe hervorragend in der Literatur der griechischen Philosophen aus und hat daher immer ein passendes Zitat zur Hand. Aber er kennt natürlich auch die Argumente der „gebildeten“ Atheisten vergangener Zeiten und ist nach eigener Einschätzung in der Lage, alle diese Argumente zu widerlegen. Dabei bedient er sich einer Sprache auf höchstem Niveau, garniert mit möglichst vielen Fachausdrücken. So verwundert es nicht, dass der gemeine Gläubige in der Regel von Vorträgen der hohen Theologie völlig beeindruckt ist. Vom Inhalt der Vorträge wird er wenig verstehen, aber das ist ja auch nicht der Sinn solcher Vorträge." Man nennt das Sophistik, und das hat was ...

Vom hpd kommt ein Text zum Ethikunterricht, der wunderbar dazu passt:  Was den Heidenkindern fehlt über den flächendeckenden Ethikunterricht für alle Kinder in Österreich, die nicht in den konfessionellen Religionsunterricht besuchen. »Kindern, die nicht in den konfessionellen Religionsunterricht gehen, fehlt etwas«. Nämlich die Sophistik, das Beeindrucken ohne Inhalt.

Dagegen muss man was machen, und dazu gibt es einen österreichischen Bericht über das Treffen des Zentralrates der Konfessiosnfreien mit dem Bundepräsidenten und die dort abgegebene Erklärung. Atheisten-info.at berichtet über dieses Treffen vom 9.2.2011. Auch der hpd berichtet darüber- jetzt heißt es dran, also für die freigeistigen Interessen, an der Öffentlichkeit zu bleiben! Die deutsche freigeistige Szene kann da nur neidisch sein, zumal unsere Kanzlerin immer noch glaubt, in einer "jüdisch-christlichen" Kultur zu leben. Ob in diese Kultur wohl ein Treffen nach dem österreichischen Vorbild reinpasst?