Welthumanistentag mit Vortrag „Ästhetik und ihre Bedeutung für die internationale Politik”

Wie viel würden der Iran und die Welt bei einem Angriff auf Kulturstätten dort verloren haben, womit Präsident Trump zeitweise drohte? Dr. Nadim Sradj hat eine eigene Theorie der Sehwahrnehmung ausgearbeitet, in deren Rahmen auch auf diese Frage eine Antwort entwickelt werden kann. Am 21.6. wird er auf der diesjährigen Feier des Bundes für Geistesfreiheit (bfg) Regensburg zum Welthumanistentag seine Konzeption vorstellen. Der Vortrag beginnt eineinhalb Stunden nach dem für 18 Uhr angesetzten Abendessen miteinander im Dechbettener Hof. Der Referent stellt sich im Anschluss einer Diskussion. Nichtmitglieder mit Interesse sind jeweils willkommen.

Weil er Erfahrungswerte zugrunde legt und insbesondere von einzelnen Beobachtungen ausgehend argumentiert, spricht Dr. Sradj bei seiner Theorie von einer sinnesphysiologischen und sinnespathologischen Ästhetik. Berücksichtigt wird eine gleichsam kommunikative Situation zwischen dem Wahrnehmenden und dem Wahrgenommenen, die Intersubjektivität beinhaltet statt auf einer Subjekt-Objekt-Spaltung zu beruhen. Die Zerstörung von Welterbestätten, wie sie etwa der sog. Islamische Staat tatsächlich betrieben hat, kann in diesem Schema als Anti-Ästhetik aufgezeigt werden, mit Konsequenzen für ein Wertesystem.

Dr. Sradj konnte als Facharzt für Augenheilkunde und Magister artium aus dem Bereich Philosophie für seine Arbeit besondere Kenntnisse zusammenführen. Er ist gebürtiger Syrer und lebt seit 1956 in Deutschland. Seine einschlägigen Ausführungen vorzustellen wurde der Philosoph von der UNESCO für den 20.7.2021 nach Paris eingeladen.

Der Welthumanistentag steht als einer der vier Feiertage des Bundes für Geistesfreiheit unter staatlichem Schutz. Er findet jährlich am Tag der sog. Juni-Sonnwende statt. Damit hat er mit dem von Galilei plausibel gemachten Umlauf der Erde um die Sonne zu tun, mit Licht, Aufklärung und Wissenschaft. Auf der Nordhalbkugel ist es der längste Tag des Jahres, auf der Südhalbkugel der Beginn der Zunahme der Tageslänge. Als gemeinsames besonderes Ereignis verbindet es Menschen weltweit, wenn die Erde die entsprechende (weder sonnennächste noch sonnenfernste) Stelle auf ihrer elliptischen Bahn erreicht. Humanist*innen feiern daher international seit 1986 an diesem Tag ihre Werte und vermitteln etwas von ihrer Weltanschauung in der Öffentlichkeit.